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Welcome to Reality ist ein Experiment, das sich lohnt: Rezension

Beitragsbild "Welcome to Reality"

Anzeige (Rezensionsexemplar)

Welcome to Reality erzählt auf mitfühlende, tragikomische Art die letzten Tage im Leben des Jared Stone. Ein liebender Ehemann und Vater, der einen inoperablen Tumor in seinem Kopf hat. Um für die finanzielle Sicherheit seiner Hinterbliebenen zu sorgen, verkauft Jared die Fernsehrechte seines restlichen Lebens an einen Sender, der aus dem Videomaterial die Reality-Show ‚Leben und Sterben‘ zusammenschneidet.

Eine gelungene Mischung aus Mediensatire und Familiengeschichte mit Herz

So banal es klingt: In erster Linie griff ich wegen des Klappentextes zu Welcome to Reality. Ich bin ein großer Fan von Satiren, vor allem, wenn diese Massenmedien zum Gegenstand haben. Der Film Network und der Augusten-Burroughs-Roman Teleshop kommen mir spontan in den Sinn. Am Anfang ahnte ich nicht, dass mich Welcome to Reality annähernd so begeistern würde, doch so kam es.

Der Schreibstil von Len Vlahos – einem mir bis dahin unbekannten Autor – verliert sich nicht in Kleinigkeiten. Vlahos schmückt nicht aus; er konzentriert sich auf die wichtigen Dinge, um die Handlung voranzubringen. Widmet er sich dem Gefühlsleben seiner Figuren, gibt er genau so viel Preis, dass sich der Leser ein Bild von der Lage machen kann. Kein Fünkchen mehr. Es kommt zu häufigen Perspektivenwechsel. Nahezu jede vorkommende Figur von Wichtigkeit steht abwechselnd im Fokus. Der gesamte Roman ist von einem allwissenden Erzähler in der dritten Person erzählt.

Mein Highlight: Wie Len Vlahos den Gehirntumor von Jared Stone personifiziert, ihm einen Namen gibt (Glio, abgeleitet von Glioblastom) und ihn zu einem Protagonisten im Buch macht. Vlahos schildert bewegend, anschaulich und auf eine verblüffende Art, was ein solcher Tumor mit seinem Wirt veranstaltet.

Die Qual der (Genre)Wahl

Die Verortung von Welcome to Reality im Jugendbuch-Bereich finde ich unpassend. Der Klappentext scheint die 15-jährige Tochter von Jared, Jackie, als Hauptprotagonistin zu etablieren (was Welcome to Reality klar zu einem Jugendbuch machen würde). Die vielen Figuren, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird und die nicht in die YA-Altersgruppe passen, machen Welcome to Reality für mich eher zu normaler Belletristik. Darüber hinaus erhält man mit Welcome to Reality mehr als erwartet: Eine spritzige Familiengeschichte mit ernstem Hintergrund und diversen Spitzen gegen das amerikanische Unterhaltungsfernsehen.

Für wen das Buch noch geeignet wäre

Das Buch macht sich sicherlich hervorragend als Lektüre für einen Buchclub oder für eine Schulklasse. Es gibt viele Punkte (allen voran die Ethiken einiger Charaktere und generell die Moral des Romans), die eine sorgfältige Diskussion verdienen.

Fazit

Welcome to Reality ist die ideale Mischung aus (Medien)Satire und Familiendramedy. Makaber, fesselnd und unterhaltsam zugleich. Len Vlahos hat ein äußerst solides Buch geschrieben, das leider in der Menge unterzugehen scheint.

Die Covergestaltung finde ich nicht sonderlich gelungen. Die vielen Hauptfiguren und der ständige Wechsel zwischen diesen Perspektiven haben mich gestört. Vlahos schloss die einzelnen Übergänge immer mit Cliffhanger ab. Dadurch wollte/musste man zwangsläufig sofort weiterlesen. Jegliche aufkommende Spannung wurde jedoch sofort im Keim erstickt und erst Seiten später wieder aufgegriffen. Nichtsdestotrotz kann ich Euch dieses Buch sehr empfehlen, wenn ihr mal was anderes lesen mögt!

4.25 / 5 Sternen

P.S.: Lest Euch gerne meinen Beitrag zu meinem neuen Studienfach Buchwissenschaft durch!


Zur Sache

TitelWelcome to Reality
OT: Life in a Fishbowl
AutorLen Vlahos
Ins Deutsche übertragen von: Anja Galic
Verlagcbt
Erschienen14. Januar 2019
Seiten400
PreisEUR 9,99

*Rezensionsexemplar*





Transparenz

Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, zur Verfügung gestellt vom Verlag durch das Bloggerportal.

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