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Homosexualität und Homophobie in der African-American Community | Blogtour zu On the Come Up

On the Come Up Beitragsbild

Anzeige (Blogtour + GEWINNSPIEL)

Langsam scheint es schon zu einer Art Running Gag zu werden: Bei jeder anstehenden Blogtour suche ich mir ein Thema mit Bezug zur Homosexualität aus. Gleichzeitig ist das ein großes Kompliment an die Diversität, welcher sich die Autor*innen (glücklicherweise) bedienen.

On the Come Up rückt dieses Thema zu Recht nicht im Vordergrund; eher findet es beiläufig Erwähnung. Der beste Freund von Protagonistin Bri, Sonny, ist schwul. Angie Thomas lässt durch ihn durchblicken, wie schwer das Leben als Homosexueller im fiktiven Garden Heights ist. Das brachte mich auf die Idee, Homosexualität und, damit einhergehend, Homophobie in der Black Community genauer zu beleuchten.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen! 🙂

Eine Kurzrezension zu On the Come Up

Gott sei Dank ist dieses Buch nun erschienen. Endlich darf ich darüber reden 😀 Seit ungefähr Mitte Januar bin ich im Besitz des deutschen eBooks, das Leseexemplar kam kurze Zeit später. Das heißt, ich trage On the Come Up seit gut sechs Wochen mit mir herum und durfte kein Sterbenswörtchen darüber verlieren.

Zum Inhalt: On the Come Up erzählt von der 16-jährigen Bri Jackson, deren größter Traum es ist, als eine der größten Rapperinnen in die Musikgeschichte einzugehen. Gar nicht so einfach, wenn man nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. Ich weiß nicht, wie Angie Thomas das schafft, doch sie ist für mich der Inbegriff des literarischen Kopfkinos. Die etwas mehr als 500 Seiten haben sich stellenweise gezogen, doch es wurde niemals langweilig! Sie schafft es, nicht nur Bilder in meiner Fantasie zu erzeugen, sondern diese auch noch zu einem vollwertigen Film zusammenzusetzen. Chapeau! Ein paar kleine Momente der Story waren für meinen Geschmack zu vorhersehbar und typisch „Buch, das in der Musikindustrie spielt“. Aus Platzgründen belasse ich es dabei und vergebe 4.25 / 5 Sternen. Weitere Rezensionspunkte spreche ich in einem Instagram-Post an, den ich bei Verfügbarkeit hier verlinke.

Nun zum eigentlichen Thema …

Was es heißt, ein schwuler Schwarzer zu sein

Hättet Ihr gedacht, dass Homosexualität in der Kultur der Afro-Amerikaner eine derart komplexe Angelegenheit darstellt und einen kompletten Blogbeitrag füllt? Ich um ehrlich zu sein nicht – bis ich angefangen habe, in diese Richtung zu recherchieren. Lässt man seine Gedanken kreisen, gibt es sicherlich die eine oder andere Vermutung, wie das Leben als Mitglied der LGBT- und Black Community ist. Nun wird man nicht nur wegen seiner Hautfarbe, sondern auch noch wegen seiner Sexualität diskriminiert. Ich wünschte, ich könnte Euch an dieser Stelle gegenteiliges berichten. Leider nein: Es ist genau so.

BuzzFeed hat einen Artikel veröffentlicht, in dem Schwarze den Rassismus, den sie beim Daten in der schwulen Gemeinde erfahren, dokumentieren. Auf Klischees und Vorurteile möchte ich später eingehen. Was mir die Tränen in die Augen trieb, war die Aussage eines 25-jährigen jungen Mannes, der von seinem Sexpartner zu hören bekam, er solle sich beim Analsex nicht so anstellen, schließlich seien es die Schwarzen aufgrund ihrer Vergangenheit (Stichwort: Sklaverei) gewohnt, Leid und Schmerz zu ertragen. Wie unsinnig dumm der Kommentar des Sexpartners war, muss ich an dieser Stelle sicherlich nicht erwähnen.

HIV/Aids

Sehr überrascht hat mich der wissenschaftlich bestätigte Fakt: Als schwarzer Homosexueller sind deine Chancen, dich mit dem HI-Virus zu infizieren, deutlich höher. Ich dachte zuerst nur: „Okay… Und warum?“ Liest man sich in die Materie ein, prallen viele Faktoren zusammen, die bedauerlicherweise zu diesem Zustand führen. Ein ausführlicher Artikel hierüber wurde vom Advocate herausgegeben.

Mitschuld daran trägt die Homophobie – die Angst vor den Lesbians, Gays, Bi- und Transsexuals. Die Vorurteile sind groß, die Abneigungen größer. Das treibt zum Beispiel scheinbar heterosexuelle schwarze Männer trotz Partnerin dazu, Sex mit einem anderen Mann haben. Dieses „Phänomen“ nennt sich Down-Low.

Black Gay Pride

Was ich nicht wusste: Die Black LGBTs feiern ihre eigene Pride. Das ist vergleichbar mit dem Christopher-Street-Day in Deutschland. Eigentlich stellen diese Feierlichkeiten eine Zelebrierung der LGBT dar, ein Tag, an dem sie ihren Umgang mit ihrer eigenen Sexualität stolz in der Öffentlichkeit präsentieren. Warum sich die Schwarzen gezwungen sehen, ihre eigene Veranstaltung abzuhalten? Höchstwahrscheinlich, weil sie sich bei den übrigen Paraden in der Unterzahl sehen, sich nicht anständig behandelt fühlen und so weiter. Das ist ein armseliges Musterbeispiel für die teils intolerante Haltung innerhalb der LGBT Community. Einer Gemeinde, die es eigentlich besser wissen, die absolute Inklusion und schon gar keinen Rassismus predigen sollte.

Von Klischees und Vorurteilen

Sicherlich haben wir alle schon einmal davon gehört, dass schwarze Männer wohl gut bestückt sein sollte. Wie sich dieses Vorurteil ständig in den Köpfen der Menschen reproduziert, ist mir ein Rätsel. Doch es führt – wie vieles andere auch – zur Diskrimierung der Schwarzen in der gay community. An dieser Stelle müsste ich weiter ausholen und das Prinzip Top und Bottom erklären. Kurz gesagt: Top ist der aktive Part, der Mann in der Beziehung. Bottom der passive und damit weibliche Part. Ist Schwachsinn, doch darum soll es nicht gehen. Dieses Denken der Schwulen trägt dazu bei, dass sie den schwarzen Mann als Hengst sehen, als den Nonplusultra-Top, der sie um den Verstand vögelt und sonst nichts – wieso auch nicht, schließlich ist er down under ja gut ausgestattet … -.- Der schwarze Schwule wird ausschließlich auf sein Äußeres reduziert. Seine eigenen Bedürfnisse sind egal.

Wenn der Glaube zum Verhängnis wird

Die Sklaverei in den USA ließ die schwarze Gemeinde sich der einzigen Institution zuwenden, die sie durch diese schwierige Zeit zu geleiten vermochte: die Kirche. Die afroamerikanische Religion in den Staaten ist seitdem ein zentraler Punkt in ihrem Leben. Diese spirituelle Verbundenheit hat zur Folge, dass die Homophobie in der black community weit verbreitet ist. Schließlich ist die Kirche konservativ und duldet keine Sünde, worunter gleichgeschlechtliche Beziehungen und alles fällt, was von der Heteronormativität abweicht.


Vielleicht habe ich Euch nun einen kleinen, übergreifenden Blick auf die black gay community gegeben. Ich weiß, vieles hätte ausführlicher abgehandelt werden müssen. Dazu fehlt mir schlicht und ergreifend der Platz und die Zeit 😀
Wenn Ihr On the Come Up lest und Sonny von seinen Problemen als schwuler Teenager in Garden Heights berichtet, wisst Ihr nun, was ihm unterbewusst so viel Angst bereitet.

Gewinnspiel

Dank cbj haben wir die Möglichkeit, im Rahmen der Blogtour insgesamt drei Exemplare von On the Come Up an Euch zu verlosen.

Beantwortet mir folgende Frage, um in den großen Lostopf zu wandern:

Wie steht Ihr dazu, dass es innerhalb der LGBT-Gemeinde Diskrimierung und Rassismus gibt?

Beachtet bitte die Teilnahmebedingungen am Ende des Beitrages! Um Eure Chance zu erhöhen, eines der begehrten Bücher zu gewinnen, schaut unbedingt bei den anderen Tourteilnehmern vorbei und kommentiert die anderen Beiträge fleißig 🙂

Der Tourplan

03.03.2019: Bei Navika von szebrabooks.blogspot.com
04.03.2019: Bei mir auf renewe.de
05.03.2019: Bei Timo von rainbookworld.de
06.03.2019: Bei Gina von zeilenfluch.blogspot.com
07.03.2019: Bei Steffi von gedanken-vielfalt.de
08.03.2019: Bei Sarah von booksonfire.de

Teilnahmebedingungen

Um am Gewinnspiel teilzunehmen muss die Aufgabe des jeweiligen Blogs erfüllt werden. Die Teilnahme ist nur innerhalb des Teilnahmezeitraums möglich. Nach Teilnahmeschluss eingehende Einsendungen werden bei der Auslosung nicht berücksichtigt.
– Eine Barbezahlung des Gewinns ist ausgeschlossen.
– Instagram und Facebook haben nichts mit dem Gewinnspiel zu tun
– Der Versand des Gewinns erfolgt durch den Verlag, hierfür werden die Daten an den Verlag weitergegeben, dieser gibt sie aber ansonsten niemanden weiter. Nach der Versendung des Gewinns, werden die Daten gelöscht.
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
Wir berücksichtigen alle Kommentare, die bis einschließlich 11.03.2019 18:00 Uhr  gepostet wurden. Es wird  danach innerhalb von 24 Stunden ausgelost.
Die Gewinner haben 48 Stunden Zeit sich bei timo@rainbookworld.de zu melden
Die drei Gewinner*innen werden von uns öffentlich genannt.

Ich wünsche allen Teilnehmern des Gewinnspiels viel Erfolg. Danke dir, Timo, dass du mich bei dieser tollen und wichtigen Aktion dabei haben wolltest.
Auf dem YouTube-Kanal der Verlagsgruppe Random House findet Ihr ein Interview von Angie Thomas. Das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen!

Bis zum nächsten Mal!

Alles Liebe,
René <3

13 thoughts on “Homosexualität und Homophobie in der African-American Community | Blogtour zu On the Come Up”

  1. Also erstmal: Riesen Lob an dich, denn der Artikel ist einfach mal genial. Aufschlussreich, informativ, anders als viele, die ich sonst so lese.
    Nun zu der Frage. Das ist natürlich schwer für mich zu beantworten, da ich nicht in dieser Community drin bin und darüber nicht wirklich urteilen sollte. Aber Rassismus in jeder Form finde ich furchtbar und unangebracht. Wir sollten als Menschen und als Gesellschaft aus diesem Thema entwachsen sein und scheinen immer wieder auf veraltete Verhaltensmuster zurück zu fallen. Es ist wirklich traurig.
    Diskriminierung wegen Hautfarbe, Religion oder ähnlichem sollte einfach nicht mehr passieren und ich hoffe sehr, dass wir das irgendwann lernen werden.

    1. Hallo Anna,
      danke für deinen Kommentar. Ich wünsche mir auch, dass wir irgendwann nicht mehr über Rassismus und generell Diskriminierungen sprechen und einfach jede*r so akzeptiert wird, wie er/sie ist <3
      Liebe Grüße,
      René

  2. Wow, vielen Dank für den informativen Beitrag!

    Ich bin tatsächlich ein wenig überrascht und eigentlich auch ziemlich entsetzt, dass es diese Probleme gibt!

    Eigentlich sollte man doch von „Minderheiten“, die sich selbst mit der Problematik der Diskriminierung auseinandersetzen setzen müssen noch mehr Toleranz erwarten. Einfach weil sie wissen, wie es sich anfühlt für seine Persönlichkeit schlecht behandelt zu werden.

    Generell ist es einfach unfassbar, dass wir in der heutigen Zeit nicht einfach jeden so Leben lassen können wie er es möchte. Es ist doch völlig egal, ob jemand Schwarz oder Weiß ist, oder welches Geschlecht er bevorzugt :/

    Danke auf jeden Fall für deinen Beitrag, der mir wieder mal gezeigt hat, wie kaputt die Welt doch ist…

    LG Susan

    1. Hallo René,
      egal in welchem Bereich finde ich Homophobie und Rassismus geht einfach nicht. Kein Mensch darf deswegen diskriminiert werden. Ich mag es, dass wir alle unterschiedlich sind und finde es bereichernd. Ich war mal mit einem homosexuellen Freund in Dublin und dort haben wir gemeinsam nach Männern Ausschau gehalten und eine gute Zeit verbracht.

      Viele Grüße und danke für deinen guten Beitrag, Jutta

      1. Hallo Jutta,
        danke für deinen Kommentar. Ich fand die Zeit in London letztes Jahr auch sehr lehrreich. Schön zu sehen, wie offen die Engländer dahingehend sind.
        Liebe Grüße, René

    2. Liebe Susan,
      danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Mehr Toleranz wäre von Seiten der (weißen) LGBTQ+-Community wirklich wünschenswert. Wie du sagt: Wir wissen am besten, wie es ist, diskriminiert zu werden.
      Alles Liebe, René

  3. Hallo René,
    Erstmal ein großes Lob an dich. Dein Beitrag ist super interessant und informativ. Ich bin ehrlich gesagt schockiert, dass es selbst in diesen Communities solche Aussagen, Anfeindungen etc gibt :/ Gerade dort sollte man doch mehr Verständnis und Toleranz erwarten. Mich macht so etwas traurig und wütend zugleich. (Eigentlich werde ich immer wütender, je länger ich darüber nachdenke.)

    Wie meine Vorrednerin schon geschrieben hat, ist es einfach unfassbar traurig, dass man sich heutzutage noch mit Themen wie Rassismus und Diskriminierung beschäftigen muss – In einem aufgeklärten, neumodischen Zeitalter, in dem jeder lassen und tun kann (und möchte!), was er/sie will. Es sollte grundsätzlich einfach egal sein, wen du liebst, was du bist, wo du herkommst.. hauptsache DU bist glücklich.

    Ich wünsche dir schon mal einen schönen Start ins Wochenende!
    Liebe Grüße

    1. Hallo Ricarda,
      freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Ich wünsche mir, dass wir irgendwann keinen Rassismus und keine Diskrimierung mehr haben werden.
      Liebe Grüße, René

  4. Vielen Dank für den informativen Beitrag!
    Ich bin tatsächlich ziemlich erstaunt über das, was ich da gerade gelesen habe. Ich bin ein sehr offener Mensch und habe keine Probleme mit der LGBTQ-Community oder Leuten aus einem anderen Land, geschweige denn Leuten mit einer anderen Hautfarbe. Und bisher war ich auch immer recht begeistert von der LGBTQ-Community, da es für mich immer so schien, als wäre das eine eigene Familie, in der man sich akzeptiert und Mut macht. Dass es aber tatsächlich Diskriminierung und Rassismus in der Community gibt, finde ich einfach nur traurig und unwirklich.
    Warum kann nicht einfach jeder sein, wie er möchte, ohne sich rechtfertigen zu müssen?

    Liebe Grüße

    1. Hallo Annalena,
      ich musste kurz schmunzeln, sorry. Die LGBTQ-Gemeinde ist teilweise intoleranter als Nicht-Angehörige. Das wissen Nicht-Angehörige meistens nicht, weil sie in dieser Bubble normalerweise nicht drin sind und nach außen hin immer alles toll aussieht. Die Realität ist leider eine andere.
      Liebe Grüße, René

  5. Hallo!
    Dein Beitrag war unglaublich informativ aber auch erschreckend. Nicht selten sind die Szenen und Communities, die am lautestens nach Toleranz rufen, diejenigen die am Engstirnigsten sind. Man möchte man selbst sein, aber können wir wirklich immer akzeptieren, wenn andere das gleiche Recht für sich einfordern? Ich erwische mich selbst zu oft bei einem wertenden Blick oder Gedanken, versuche aber aktiv daran zu arbeiten. Änderungen erfordern Umdenken und an sich selbst zu arbeiten.

    Liebe Grüße!
    Eva

    1. Hallo Eva,
      freut mich, dass wir der Beitrag gefallen hat. Das hast du schön geschrieben. Ich gestehe, dass ich selbst auch noch an mir arbeiten muss, da ich mich auch dabei ertappe, dass ich manchmal nicht so tolerant denke, wie ich es eigentlich tun sollte.
      Liebe Grüße, René

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